Archiv für 25. Juni 2009

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… und wenn wir schon dabei sind…

… und wenn wir schon dabei sind, uns über Zensur zu Unterhalten: Anti-Terror. Da gibt’s ja auch so ein schön klassisches Spannungsfeld. Stellen wir mal fest: Am 11.September 2001 kapern Bin Ladens Leute Flugzeuge, und steuern diese ins World Trade Center, ins Pentagon, und in ein Feld in Pennsylvania.

Es ist eine Tragödie, und es tut mir leid um jedes Opfer und jeden Angehörigen. Aber: Seitdem werden jegliche Mittel in Bewegung versetzt, um a) das ganze zu rächen, b) das ganze aufzuarbeiten ( — OK, da bin ich skeptisch…), und c) das ganze für die Zukunft zu verhindern.

Nun werden dass jedoch auch bald schon zehn Jahre, dass wir den Terror abwehren müssen, Deutschland am Hindukusch verteidigen, und einmal im Jahr den 11.September zelebrieren. Hart kalkuliert: Was ist seitdem passiert? Fast nichts. Selbstverständlich sind auch die über 100 Opfer von Madrid ebenso eine Tragödie wie die Opfer in der Londoner U-Bahn. ABER: Ist das der Aufwand wert. Oder anders gesprochen: Wäre das mit mehr Aufwand nach 9-11 verhindert gewesen, oder ist das trotz des Aufwands passiert? Wäre mit weniger „Schutz“ Maßnahmen mehr passiert?

Was tun wir denn seitdem? Ich will jetzt garnicht über Afghanistan reden, sondern über die „kleinen“ Dinge. Wir haben Biometrische Ausweise. Ein Riesenaufwand und Arschteuer. Wir werden am Flughafen nun 10 anstatt 1 Mal gefilzt und durchleuchtet. Wir haben irgendwie kein Handgepäck mehr. Wir sind noch skeptischer gegenüber Moslems und überhaupt allem Fremden. Jetzt soll der Staat an unsere Computer dürfen. Von „Homeland Security“ in den USA ganz zu schweigen. Guantanamo,… ach Gott…

Lohnt sich’s? Nun gut, nun kann man wieder sagen: Wenn auch nur ein Menschenleben gerettet ist, lohnt sich’s immer… Aber mal ernsthaft: Lohnt sich’s wirklich? In meinen Augen haben nämlich die Terroristen genau das erreicht, was sie wollten: Unseren scheiß ungläubigen, scheiß freiheitlichen Lebensstil zerstören. Das ist ihr Ziel, und das haben sie erreicht. Wir lassen uns vielleicht nicht so verrückt machen, wie Amerika unter Bush, aber wir haben verloren.

Und ob wirklich etwas verhindert ist, kann man auch kaum sagen. Wenn jemand Terror machen will, schafft er das immer noch. Ein kleines Beispiel: Ich hatte 2005 ein Praktikum im Bundestag. Konstituierende Sitzung, alle waren da. Der Bundestag voll versammelt, Ehrentribüne voll. Meine bzw. Seehofers Büroleiterin hat noch gesagt: Versuchen Sie Ihr Glück, sie kommen nicht rein. Letzten Endes saß ich – ohne je auch nur eine Kontrolle passiert zu haben, eine Reihe hinter Köhler, Scheel, von Weizsäcker, Genscher, Papier (BVG), ein paar Meter über der gesamten politischen Führung des Landes. Ohne auch nur eine Kontrolle! Wär ich in der Situation Mahmut Ahmed gewesen und nicht Benjamin,…

Brechen wir mal kurz zum Nachdenken ein Tabu: Aufrechnen. 9-11: 4000 Opfer. Madrid 150 Opfer. London 100 Opfer. Macht grobe 4250 Opfer seit 2001. Dann mal kurz der Aufwand gegengerechnet. Afghanistan, Guantanamo, Freiheit, Bürgerrechte… wollen wir dem „War on Terror“ mal kurz den „War on Aids“ entgegenstellen? Opfer und Aufwand? Lieber nicht.

Wir sollten uns also, um noch mal den Bogen zu spannen zum vorigen Artikel, überlegen: Wenn wir unsere Freiheit einschränken (lassen): Ist dies wirklich nötig? Ist damit wirklich etwas gutes erreicht oder etwas böses verhindert? Im Großen? In meinen Augen meistens nicht.

… und nächste Woche: Killerspiele und Waffengesetze 😉

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Benjamin Machel – Micky Rust


Gundelfingenstraße 9
86633 Neuburg an der Donau

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