07
Nov
10

Gorleben, spinnerte Heimat. (fast)

Ben in Gorleben

Der Castor rollt. Wieder einmal holen wir deutschen Atommüll aus Frankreich zurück in die Heimat, ins Zwischenlager Gorleben. Wieder einmal beginnt die große Protestwelle mit „Tag X – wir stellen uns quer“, versuchten Gleisblockaden, versuchten Straßenblockaden und so weiter. An sich nichts neues.

Heimat

Gerade für mich jedoch immer wieder interessant. Der Castor kommt mit dem Zug nach Lüneburg, wird dort umgeladen auf den Zug nach Dannenberg, und fährt von dort per LKW nach Gorleben. Protestiert wird überall, z.B. in Hitzacker.

In Lüneburg wohnt die Schwester meiner Mutter. In Hitzacker hat lange Jahre die zweite Schwester meiner Mutter gewohnt. Die Schwestern sind in Lüchow geboren. Wie meine Mutter auch. Und mein Vater. Wie eigentlich meine ganze Familie aus Lüchow kommt – Lüchow, eine von zwei Städten des Landkreises Lüchow-Dannenberg. In Dannenberg wird der Castor umgeladen und fährt dann nach Gorleben, der berühmteste Ort im Landkreis.

Ich kenne jeden Wegpunkt dieses Castors. Ich kenne jeden Ort im Bildhintergrund im Fernsehen. Und ich kenne Gorleben. Ein kleines Kuhkaff mitten im Wald. Ich kenne den Salzstock, was soviel heißt wie: Ich bin in „Friedenszeiten“ mal drum rum gefahren.

Obwohl meine ganze Familie aus der Gegend kommt, mach ich mir wenig Sorgen, bzw. bin sehr verärgert. Die ganze Diskussion läuft für mich hirnlos ab.

Endlager

Wir brauchen ein Endlager. Da führt kein Weg dran vorbei. Auch wenn wir jetzt Laufzeitverlängerungen beschlossen haben, muss der Müll ja irgendwann mal weg. Ich bin übrigens FÜR Laufzeitverlängerungen, wie ich auch FÜR Atomkraft bin. Deutsche Kraftwerke sind die sichersten der Welt. Wenn wir die abschalten und auf grüne Energie setzen wird diese zum einen arschteuer – und das wird sie auch bleiben, wenn sie massenhaft ausgebaut wird. Zum anderen werden wir uns als Energiemix ja dann doch Atomstrom holen – aus Frankreich, Tschechien, von mir aus der Ukraine. Wir lügen uns mit diesem ganzen einseitig Unilateralen Ausstieg ins Hemd.

Jedenfalls muss der Müll eben irgendwohin. Und hier scheint der Salzstock Gorleben die beste bekannte Variante. Man soll ihn erforschen, und dann sagen geht / geht nicht. Ich hoffe, dass das ganze so ablaufen wird. Habe da aber, als einzigen Knackpunkt, meine Zweifel. Die Regierung will das ganze endlich erledigt haben, die Gegner ließen sich auch von 1000 unabhängigen Gutachten nicht erweichen…

 

Bild: AP

Bild: AP

Trittbrett

Am meisten freu ich mich an den Protesten über die Trittbrettfahrer. Ehemalige Umweltminister zum Beispiel. Ganz schön einfach, wie es sich Herr Trittin macht. Hinstellen und mitdemonstrieren. Dabei war er lange genug Umweltminister. Das einzige, was er geleistet hat, war ein Atomausstieg – eine Lösung für den Müll hat auch er (gerade er!) nicht gebracht. Baustopp in Gorleben. Das war seine zweite große Leistung. Wir machen die Atomkraftwerke dicht – gleichzeitig aber auch die Suche nach einem Endlager für den Müll, der jetzt schneller auf uns zukommt. Pervers und feige! Gleiches gilt für SPD Vorsitzenden Umweltminister a.D. Sigmar Gabriel, der ebensowenig zur Lösung geleistet hat, und nun auch in großer Erregung mit offener Klappe protestiert.

Protest.

Auch wieder so ne feine Sache. Gregor Gysi, für ein paar werbewirksame Photos auf dem Bulldog extra aus Berlin eingeflogen (? CO2?), spricht davon, dass sich die Bürger endlich wieder auf die Straße trauen, und die böse Regierung gegen „das Volk“ regiert. Nun denn, wenn es die Sprache „des Volkes“ ist, dass Kinder die Schule schwänzen, um gegen Castoren zu protestieren, wenn es die Sprache „des Volkes“ ist, dass Schienenwege entschottert werden, um den Castor zu stoppen, wenn also Rechts- und Gesetzesbruch, Straftaten, wenn das die Sprache des Volkes ist, dann seid ihr leider nicht MEIN Volk. Dann gehör ich zu denen, die sich von einer Regierung, entstanden aus einer Wahl von 80 Millionen Menschen heraus, eher vertreten fühlen als von 50.000 Spinnern.

Vox Populi – Vox Rindvieh.

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